Aus dem Alltag am Balzenberg
Photo

Aus dem Alltag am Balzenberg

Wirk- und Werkwochen am Balzenberg

Die Gärten liegen unter einer dicken Schneedecke, die Hühner setzen kaum einen Fuss vor die Tür und die Öfen prasseln. Jetzt ist Zeit für Handarbeiten und Hauswerken. Kürzlich fand ich in einer Brockenstube einen Ballen schönen Polsterstoff und nun kommt das Projekt "neue Sitzkissen" in die Welt. Wir werden den Speiseraum in ein Nähatelier umwandeln und nähen, füllen, stopfen, sticken und was man sonst noch tun kann.

Vom 1. - 15. Febuar und vom 4. - 17. März 2019
Du kannst für einen Tag kommen oder für mehrere. Die Zeitspanne ist fliessend und frei wählbar.
Auch Nähmaschinen sind willkommen.

Photo

17. Januar 2019

Winter

Liebe Freunde und Interessierte,
ich sitze an meinem Esstisch zwischen den Küchen. Dazu muss man wissen, dass unser Seminarhaus ein uraltes Doppelhaus ist und bis vor ca. 15 Jahren auch von zwei Parteien bewohnt wurde. Da hatte natürlich jeder eine eigene Küche. Durch das Zusammenlegen der Haushälften verfügen wir nun also über zwei Küchen; eine in der ich koche und eine in der vor allem gespült wird. Um von der einen in die andere Küche zu gelangen, geht man durch eine Stube mit Esstisch, Sitzofen und Sofa. Hier sitze ich also, wir sind mitten in einem Herzwärts Seminar, im Gruppenraum wird gearbeitet und in der Küche gekocht. Zu meinem grossen Glück habe ich in dieser Woche Unterstützung in der Küche, so kann ich es mir erlauben hier zu sitzen und zu schreiben. Es ist kalt, der Himmel färbt sich rot und wenn ich gleich rüber zum Lädeli gehe um zu heizen, leuchtet die Niesenkette bestimmt auch rot. Die Hühner picken ihre Abendmahlzeit; sie haben mir heute wieder vier Eier geschenkt. Für die Gruppen muss ich die Eier immer ein bisschen sammeln, aber zwischen den Gruppen kommen dann doch schnell viele Eier zusammen und so erweitere ich mein Kochrepertoire gerade um hausgemachte Pasta und Ravioli, Meringue und Windbeutel und auch im Speiseplan schlagen sich die täglichen Gaben der gefiederten Damen nieder; Glasnudelsuppe mit Eiguss, Ziegenkäsesoufflé und das allseits beliebte Sonntagsei.

Wenn ich nun zurück schaue auf das vergangene Jahr, fallen mir so viele bemerkenswerte Dinge ein, schöne und leichte und auch schwere, traurige, dass mir als Resümee das Wort reich in den Sinn kommt.

Reich an Begegnungen, reich an Erfahrungen, reich an Verlusten: Menschen sind gestorben und Neue haben das Licht der Welt erblickt. Krankheiten, Krisen, Hochzeiten, Feste... für alles war Platz im vergangenen Jahr und ich durfte teilhaben. Auch an der GV des Vereins »da sein« durfte ich teilhaben, weil mein Liebster hier ganz selbstverständlich und ausgesprochen lecker die Küche schmiss. Es gab also auch große Geschenke im vergangenen Jahr.

An dieser GV, die ja über mehrere Tage ging und gefüllt war mit Begegnung, Meditationen, Palaver, Körperarbeit, Administration und Austausch, gefüllt also mit Leben; an dieser GV gab es einen Moment nach einer Sequenz von Authentic Movement, in dem ich einfach nur da war, erfüllt von einem Gefühl der Geborgenheit in Freiheit, grenzenlos aufgehoben.

Ich habe mich im vergangen Jahr viel mit dem Thema Geborgenheit und Freiheit beschäftigt und der verbindenden Kraft, der Liebe. Liebe als Haltung, nicht als romantisches Gefühl, das sich einstellt wenn all meine Bedingungen an Aussehen, Geruch, Alter, musikalische Vorlieben und politische Gesinnung erfüllt sind. Liebe ist das Ja zu dem was ist.

Manchmal ist sie schwer und manchmal leicht, manchmal ist sie in meiner Wut oder in meiner Angst, sie zeigt sich genauso in einem leidenschaftlichen Kuss wie auch in einer klaren Abgrenzung. Und sie ist nötig. Für jeden selbst, für jede Gemeinschaft, für die Welt.

Hier am Balzenberg ist ein Übungsort dafür und ich freue mich, dass dieser Ort auf so vielfältige Weise genutzt wird. Menschen haben Ferien gemacht oder hier in den Wirk- und Werkwochen mit angepackt, es ging viele Male herzwärts und auch andere Gruppen haben sich hier getroffen und haben den herzlichen Rahmen für ihre Arbeit genutzt. Sei es Yoga, Naikan oder auch private Lerngruppen.

Nun freue ich mich auf ein ereignisreiches und lebensvolles Jahr 2019.

Mit Herzwärts hat es begonnen und schon im Februar gibt es die nächsten Wirk- und Werktage. Diesmal werde ich ein kleines Nähatelier aufbauen. Im Brockenhaus konnte ich einen schönen Polsterstoff ergattern und nun nähen wir neue Sitzkissen für den Gruppenraum und vielleicht auch gleich noch ein paar Kissen für die Bänke an den Esstischen... 

Herzliche Grüsse
aus dickem Schnee
Anne Dhyan Mara


Winter Januar 2019 als pdf

Sommer August 2018 als pdf

Frühling April 2018 als pdf